Edelweiß, Roman, 216 Seiten, 6 Abbildungen, ca. 31.224 Worte, ISBN 978-3-7386-3385-6, 15. August 2015.

 

Oskar Weinheim wird in eine neue Zeit hineingeboren, die viele Veränderungen mit sich bringt. Sein Weg scheint vorgezeichnet, es kommt aber doch immer wieder ganz anders. Das erregt schließlich die Gemüter, und lässt Oskar neuerlich neue Wege beschreiten, da er doch dort wo er hineingeboren wurde keine Edelweiß vorfinden kann.

Die Erlebnisse Oskars sind vielschichtig, subtil und surreal in einer Welt die als Labyrinth nicht zugänglich zu sein scheint. Ein Labyrinth in dem andere die Fäden ziehen, die dabei unerkannt bleiben wollen, aber andere dabei gerne zu Fall bringen möchten, um ihrer eigenen Unzulänglichkeit zu entgehen. Ein Perpetuum Mobile des Seins, das auch immer wieder aufgrund von Unzulänglichkeiten den Status Quo ex-ante zementiert, und sich im Epilog auflöst. Ein Meisterwerk des Surrealismusses. In sich trägt der Roman ein Geheimnis, dass bereits auf der ersten Seite angesprochen wird, immer wieder subtil auftaucht, sich trivialisiert, und im Epilog evident wird. Der Text enthält auch Elemente aus dem Roman „Im Neuen“ und der Novelle „Zehn Jahre Einsamkeit“ ist jedoch kompletter, und strebt eine andere Aussage an.

 

Die Aussage des Romans ist vielschichtig und vereint soviele Elemente wie möglich. Er endet nicht in Illusion, sondern in Präzision. Sie ist das Ziel und die Aufgabe die estrebenswert erscheint.

Die Präzision liegt vor allen Dingen in den Fußnoten auf Seite 27, 148, 149 und im Epilog auf Seite 210 des Romans. Daraus ergibt sich die Motivation diesen Roman zu schreiben und als eigenen Titel Edelweiß zu veröffentlichen. Wenn man diese Umstände berücksichtigt, muss man in Rechnung stellen, dass er eigentlich sehr kurz ausgefallen ist, und so eben sehr präzise in der Aussage ist ohne dabei ausschweifend zu sein. Er hat also inhaltlich nichts gemeinsam mit jenen Elementen anderer Werke von mir. Er steht für sich, und das wird auch immer so sein.

 

Mir schwebte hier ursprünglich eine Geschichte wie Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil vor. Das Ergebnis ist aber wesentlich moderner und kurzlebiger geworden. Unsere Zeit ist an sich viel kurzlebiger geworden. Es geht aber in Politik und Verwaltung noch immer um dieselben zwischenmenschlichen Phänomene: Was stattfindet, und was nicht stattfindet. Diese Illusion eines modernen Verwaltungsstaates zu personifizieren, war hier mein Anliegen. Die Fußnoten deuten an wie schmerzvoll dieser Weg dorthin zum Teil war, welche unglaublichen überbordenen Phänomene die Agglomeration von Menschen hervorbringt, und wohl auch weiterhin hervorbringen wird. Es ist auch phänomenal, welche wesentliche Rolle hier die von George Orwell in Farm der Tiere eindrucksvoll dargestellte Aggression in Handlungsmustern von Menschen beim Kampf um Macht und Einfluss spielt. Dies in einer Person in Bescheidenheit zu manifestieren schien mir dabei die Herausforderung, ohne dabei zu formalistisch zu werden, und dem Faktor eines freien Willensausdrucks in verschiedensten Lebenslagen genügend Platz einzuräumen. Menschliche Bindungsmuster sind auf ein Minimum reduziert. Intellektuelle Bindungsmuster werden zum Teil überbetont. Es sind auch stilistische Elemente von Jonathan Swifts Gullivers Reisen und von Kafkas Erzählungen enthalten. Die Neugierde als Triebfeder einer kindlichen Intelligenz begleitet uns dabei, um neue Horizonte zu entdecken. Sie ist in Oskar Weinheim stärker manifestiert als in den meisten von uns. Der pure Machtinstinkt hingegen scheint nicht aus dieser Ecke unserer Denkmuster zu kommen. Er ist archaischer angelegt, und so eine stetige Bedrohung der Intelligenz des Menschen, bis hin zu seiner Existenz an sich.

Es bleibt manches unausgesprochen, um den Eindruck einer heilen kindlichen Welt zu erhalten. Diese Unausgesprochenheit erscheint als ein Resultat der Kindheit Oskar Weinheims. Das was ausgesprochen wird ist schon schlimm genug, und der Epilog tut sein übriges.

 

Eine weitere Interpretation ist dem Leser überlassen, und eine Frage der subjektiven Wahrnehmung, die bei diesem Thema sehr unterschiedlich ausfallen kann. Manche mögen es schlichteweg für verrückt halten. Das Fassbare bleibt aber das Wesentliche.

 

Es wäre aus Verständnisgründen auch sinnvoll den Prolog von Im Neuen zu lesen. Man könnte hier auch einen Roman über tausend Seiten dazu schreiben, aber wozu der vielen Worte, wenn es doch ohnehin offensichtlich ist.

Nun, wenn kümmerts - ein Buch mehr auf diesem Planeten ...